Schamanische Arbeit an Tinnitus (2003)

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Heute am Neumond habe ich den Auftrag, einem Tinnitus zu begegnen. Lange habe ich dies vorbereitet. Das war auch gut so, denn ich habe von den Spirits verschiedene Methoden bekommen, diesen einen Tinnitus anzugehen. Aber bei mir laufen Dinge manchmal sehr langsam.

Zuerst bekam ich die Hilfsmittel und die Bewegungen, mit welchen ich diese anwenden sollte. Das nahm ich an und verleibte mir dies ein. Das ist ein über einen Monat her.
In einer weiteren vorangehenden Diagnosereise suchte ich nach dem Ding, dem Wesen, das den Tiinitus verursacht. Nichts. Nicht, dass nichts zu finden war, es war das Nichts, das ich fand. Sprich: da ist keine Ursache, kein Wesen, kein Parasit oder so.

Die Sache wurde schwierig und liess mir nur eines zu: den Kopf ausschalten. Wenn sich die Ursache nicht zeigt, so zeigte sich doch der Heilweg.

Heute war es nun soweit: die Behandlung des Tinnitus.
Ich räuchere B. sehr intesiv. Sie kniet vor mir und ich habe genug Platz, um mehrfach um sie herum zu gehen, den Salbei wirklich bis tief in sie hinein zu bringen und eine heilende Reinigung der äusserlichen Hülle zu schaffen.
Danach nehme ich die Rassel und bringe die Flüsse im Körper in Gang. Ganz fein und sehr minizös um den Kopf herum, hinab in die Schulterblätter und weiter den Rücken hinab.

Das Rasseln fühlte sich richtig an und gab mir die Sicherheit der Bahnen, die ich benötigen könnte durch den Körper.
Wir kriechen zusammen unter die Donnertrommel. Wir berühren uns an den Handaussenflässen und an den Füssen. B. gebe ich den Auftrag, sich einfach zu spüren, nicht gross zu reisen, sondern einfach da zu sein. Das hat sie auch gemacht und das war gut.
Ich erde mich und sinke hinab in die Unterwelt. Dort bespreche ich mich nocheinmal mit meinen und ihren Krafttieren und ohne grosses Zögern gehen wir direkt in die Mittelwelt, unter die Donnertrommel, neben B.
Alle zusammen beginnen wir, helles Licht in ihre Füsse zu dirigieren, die Beine hoch bis schliesslich ihr ganzer Körper hell erstrahlt. B.’s Hirsch legt sich auf sie und atmet in sie hinein. Daraufhin mein weisser Heilhirsch. B. strahlt hellweiss, vollständig lichtdurchflutet.

Mein Lehrer lässt das strahlend weisse Licht blau werden und initiert B.’s Heilkräfte.
Auf diese Weise gut vorbereitet kriechen wir wieder unter der Donnertrommel hervor und Thalia kriegt eine wohlverdiente Trommelpause.

Wieder kniet B., diesmal neben mir und ich beginne mit der Operation, die dieses Mal wirklich eine solche ist. Ich setzte Pfeile in ihren Hals um den Operationsbereich einzugrenzen. Darunter passiert nichts. Einfach als Absicherung.
Nun schneide ich Haut und Schädel von B. über dem rechten Ohr auf. Das Durchkommen nimmt seine Zeit in Anspruch, aber ich mache es sehr präzise und werde zum Perfektionisten. Die Versammlung der Krafttiere, insbesondere B.’s Hirsch unterstützt mich dabei und beäugelt alles, was ich tue. Alle sind zufrieden.

B. hält die Fluorit-Kugel in den Händen und hält sich daran. Ein guter Fokuspunkt, stellt sich heraus.
Nach dem Öffnen des Kopfes hebe ich die Hautlappen an und kann durch den geschaffenen Spalt in den Kopf von B. hinein. Ich erschrecke erst, als ich sofort zwei Augen begegne. Doch ich merke, dass dies B.’s Augen sind, die mich im Innern anschauen. Unbekanntes Land vermittelt ihr Ausdruck. “Keine Sorge, ich bin nicht allein”.

Meine Aufgabe war es, den Tinnitus-Ton in Bahnen zu lenken, nicht ihn zu eliminieren als primäres Ziel, sondern ihm einen Auslaufraum zu schaffen. So ziehe ich mit dem Fluoriten Bahnen im Kopf, in welchem der Ton fliessen kann und eine “geregelte” Bahn findet. Immer wieder frage ich nach, wie es denn jetzt tönt und B. gibt mir Antwort, was meine Arbeit in die richtigen Richtungen vorantreibt.

Das geformte Gebilde ist eine Spirale, die den Ton erst in einem grösseren Bogen aufnehmen kann und ihn leben lässt. Immer kleiner werdend wird die Kraft des Tones ausgebremst aufgrund des zurückgelegten Weges und fühlt sich wohl. Er entschwindet in den Kurven der Spirale. Wie eine Kugelbahn, eine “Chügelibahn”.

Die Furchen im Innern von B.’s Kopf ziehe ich ziemlich tief, wobei ich nicht schneide, sondern eindrücke. Es ist, als ob da Fleisch ist, das einfach mit den Jahren darüber gewachsen ist und so keinen Weg mehr zuliess. Überwachsen, den Weg verloren.

Der Ton ändert sich erst in ein Morsezeichen, das länger schon nicht mehr auftrat, dann wird er leiser und immer leiser. “So kann ich damit leben” - Das war das Statement, was mich zur Beendigung der Bahnenbildnerei brachte. Die eingedrückte Landschaft liess ich mit einer Wasserkugel kühlen und ihr Heilung bringen, auf dass sie Heilung bringe.

B.’s Hirsch will mit seinen Nüstern da noch reinblasen, was wir gemeinsam bewerkstelligen. Ich lasse den scheuen Hirsch vor und er fasst Vertrauen. Durch mich hindurch bläst er in den Kopf hinein.
Danach schaut er mich an, schliesst bejahend seine Augen und lässt mich nun wieder zumachen.

Ich nähe nun den Kopf wieder zu. Sicher 8 Stiche über dem Ohr und 4 unterhalb.
Die Wunde versorge ich mit dem Rosenquarz und dirigiere eine kühlende Wasserkugel auf die Naht. Die Naht schliesst sich innerhalb der Kugel und ich sehe, dass alles zu ist.

Ach ja, als ich so im Kopf rumwühlte, fand ich einen kleinen schwarzen Käfer, kleiner als eine Zecke, mit 8 sich bewegenden Beinen. Diesen extrahiere ich mit Rassel und zuvor gefertigter Tabakfalle aus B.’s mitgebrachten Zigaretten.

Ich möchte meine Erkenntnis dieser Behandlung noch aufschreiben: dieser Tinnitus hat keine Ursache, er ist einfach da, weil einfach alles so geformt war im Körper, dass es tönte. Ich habe therapiert, sprich dem Ton eine neue Bahn gegeben, in der er leben kann und nicht mehr piepen muss.

Daraus entsteht Arbeit für B.: jedesmal, wenn der Ton kommt, ist er nicht zu bekämpfen. Im Gegenteil, er ist zuzulassen und so in der geschaffenen Spirale verschwinden zu lassen. Jetzt, wo das fliessen kann, wird er nicht mehr auftreten. Eine Frage der Zeit und der richtigen Lenkung durch B. selbst.

Ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt. B. darf jederzeit mit dem Fluoriten die Bahnen selbst nachziehen oder umformen. So, wie es ihr gut geht.



Tinnitus Heilen

Die Nachsorge und der Grund für den Tinnitus


Es hat lange gehalten, die erste Behandlung des Tinnitus. Dann kam er wieder, konnte aber immer wieder mit dem Furchenfluoriten ausgedreht werden und verschwand wieder. Doch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten schwand, das Vertrauen in den Stein. Der Effekt des leiser werdenden Pieps verschwand.

Was lief falsch, was hab ich falsch gemacht? - Nun, gehen wir es nochmals an.

Ich habe einen neuen Fluoriten bereitgestellt, einen tonaufsaugenden. Diesen gebe ich in B.’s Hand und sie beginnt, ihn an ihr Ohr zu halten. Wir trommeln rundherum. - Der Ton wird leiser, bis er nach etwa viermaligem Hinhalten ans Ohr gänzlich verschwindet. B. schüttelt den Stein zwischen den Berührungen aus.

Sind wir zufrieden? - Nein. Alles Käse. Wir können den Ton wegmachen, ohne grosse Probleme. Doch das Gefühl ist nicht richtig.

Ich erstelle mit Bergkristallen ein eng gelegtes Dreieck und lasse daraus in der Anderswelt einen Kristall wachsen. Schutz von allen Seiten für B. Sie steht in der Mitte des Kristalls. Und - wir trommeln. Immer im Kreis herum laufen wir um den Kristall herum und unsere Trommeln schwingen B. sanft in die Anderswelten. Von links nimmt sie ein "Schnaufen" wahr.

Wir lassen die Trommeln verstummen und der Ton ist wieder da, in voller Stärke. Ein depremierender Moment. - Wieder trommeln wir, B. schaut sich das an, was da schnaubte. "Es ist ein Windhund, er streicht umher. Gelbe Augen. Ich hab Angst vor ihm."

So schwer es fällt, bitte ich B. den Hund zu sich zu holen. Er sitzt vor ihr. B. fasst ihn an, er legt seinen Kopf in ihre Hand. Er sieht traurig aus. Das ist für mich der Punkt, wo mir klar wird, der Hund ist ein Seelenteil. Er konnte mühelos den Kristall durchdringen, gehört also zu ihr.

"Nimm ihn in Dich hinein, in Dein Herz hinein." - Der Ton ist schlagartig weg.
Doch sie fühlt sich nicht wohl mit dem Hund und verbannt ihn in eine Hundehütte in sich drin. Und schwubs ist der Ton wieder da.

Es wird klar, der Hund fordert Aufmerksamkeit, will gelebt und geliebt werden. Eine schwere Arbeit, aber der Hund hat gelernt, sich bemerkbar zu machen. Immer, wenn er in seiner Stärke, seiner Kraft nicht in B. leben kann oder darf, meldet er sich mit seinem Gejaule.

Das wird eine Integrationsarbeit, die vielleicht tiefe Abgründe auftun wird und nicht einfach sein wird. Doch war das je einfach?

Wir sind da und begleiten sie.


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